Ich strebte es nie an, Sänger zu werden und hätte es auch nie für möglich gehalten. Ich wusste nur seit frühester Kindheit, dass ich elektrische Gitarren liebe. Ich bastelte mir einige in unserer Garage, denn ich wollte zu meiner Lieblingsmusik im Lichtorgel-Gewitter rocken. Es war abwegig, dass Rocken mein Beruf werden könnte, auch wenn es das einzige war, was ich wirklich mochte.

In einem unterfränkischen Dorf, als Hauptschüler, ergreift man eine Lehre im soliden Handwerk. Nur wenn man fleißig in der Schule aufpasst kann man etwas Höheres werden, Schluss. Mehr wusste ich nicht. Das Wissen und Umsetzen von Möglichkeiten außerhalb der regionalen Tradition war sehr begrenzt. Wer kein Abi vorweisen konnte und nicht mal ein gutes Zeugnis in der Hauptschule hatte, wurde schlichtweg abgestempelt. Ich strebte eine Lehre als Koch an, aber Schweißer sollte es werden, weil ein Stammtischbruder meines alten Herren Betriebsrat in einer großen Gabelstapler-Fabrik war und er für mich etwas tun konnte. Da mir keine bessere Option vorlag, nahm ich das Angebot freudlos an. Besser das, als nichts.

Ich war einer der wenigen im Dorf, der sich traute, lange Haare zu tragen. Es war ein ständiger Kampf mit meinem Vater um jeden Zentimeter. Ich war AC/DC Fan und der Punk-Rock war am Anfang seiner Zeit. In diesen Tagen zogen Stephan Weidner und Kevin Russell ins Dorf. Der Rest ist Geschichte, die Böhse Onkelz heißt - und unter www.onkelz.de erfährt der Unwissende mehr.

2005 hatten wir unser letztes Konzert, ein gigantischer Abschluss mit weit über 100.000 Fans. Danach wollte ich ein instrumentales Sixties-Retro-beat-Rock Projekt durchziehen. Eine Punk-Big Band wollte ich an den Start bringen, mit Bläsern und kaputten Anzügen. "Sideburn Society" sollte das Projekt heißen. Nachdem es 2007 komponiert war, verlor ich jedoch das Interesse. Ich hatte die Nase voll von Software-Instrumenten und deren Bugs.

Mitte 2008 fing ich an, mit der gewohnten Materie zu komponieren: Drums, Bass, Gitarre, Gesang. Mitte 2010 bekam ich die ersten Tage im Studio 23 in Frankfurt zur Verfügung und immer wieder welche bis Mai 2012, dann war meine erste Solo-CD im Kasten: „Dreck und Seelenbrokat“.

Go Baby go